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RESILIENZ. DAS IMMUNSYSTEM UNSERER PSYCHE.

Aktualisiert: 1. Sept.


Krieg in der Ukraine, Inflation in ganz Europa, die fragwürdige Macht der sozialen Medien und der Medien im Allgemeinen, steigende Arbeitslosigkeit – man hat regelrecht den Eindruck, dass die Welt wie wir sie kennen drauf und dran ist aus den Fugen zu geraten. Das macht was mit uns, ob wir wollen oder nicht. Hinzu kommen die ganz alltäglichen kleinen oder größeren Probleme und Herausforderungen: Beziehungskrisen, Schwierigkeiten in der Familie, die Erziehung der Kinder, Angst vor Jobverlust, Überarbeitung bis hin zum Burnout. In meiner Praxis erlebe ich das immer öfter. Wie können wir uns gegen all diese negativen Einflussfaktoren schützen? Genau damit beschäftigt sich die Resilienzforschung.


Die lateinische Wortwurzel erklärt schon vieles: „Resilire“ bedeutet „abprallen“. Resilienz ist also ein Schutzschirm gegen aggressive äußere Einflüsse und somit

eine wichtige Voraussetzung dafür, Krisen zu bewältigen, Traumata zu verarbeiten und auch belastende Lebenssituationen gesund ins Leben zu integrieren. Plakativ könnte man sagen: Resilienz ist das Immunsystem unserer Psyche. Manche gehen sogar noch einen Schritt weiter. Forschungsergebnisse deuten nämlich darauf hin, dass wir die seelische Resilienz auch brauchen, um körperlich gesund zu bleiben. Womit Resilienz nicht nur ein psychisches, sondern ein psychosomatisches Thema ist.


Aber was genau ist Resilienz? Der Begriff umfasst eine Reihe von Verhaltensweisen, positiven Glaubenssätzen und bestenfalls verinnerlichten Überzeugungen, die wie Säulen funktionieren, auf denen ein Gebäude solide stehen kann.


1.) Positive Grundhaltung

Gemeint ist hier nicht eine ständig lächelnde Hopsassa-Trallala-Mentalität, sondern ein gesunder, unaufgeregter Optimismus. Eine unerschütterliche Zuversicht, dass alle Herausforderungen, die das Leben so stellt, zu bewältigen sind.


2.) Akzeptanz und Annehmen

Nicht alles im Leben kann man ändern. Mit manchen Dingen muss man eben zu leben lernen. Resiliente Menschen haben die Fähigkeit, Unveränderbares anzunehmen. Es bleibt also keine offene Baustelle, mit der man sich dauernd beschäftigen muss. Man hadert nicht mit seinem Schicksal, wie man so schön sagt.


3.) Selbstwirksamkeit

In meiner Praxis erlebe ich das immer wieder: Menschen sind in ihrer Opferrolle gefangen, sehen sich als hilfloser Spielball anderer oder von gewissen Umständen. Selbstwirksamkeit ist die Erkenntnis, dass die eigenen Handlungen Auswirkungen haben. Das nimmt uns das Gefühl der Ohnmacht, wir entdecken, dass wir etwas bewegen und gestalten können.


4.) Verantwortung tragen

Wer die Selbstwirksamkeit entdeckt hat, muss sich auch mit der Verantwortung auseinandersetzen. Alles was ich tue – oder nicht tue! – hat Konsequenzen, positive oder negative und die Verantwortung dafür trage ausschließlich ich. Immer den anderen oder irgendwelchen Umständen die Schuld zu geben ist definitiv keine Lösung, sondern vielmehr eine Vogel-Strauß-Taktik. Konflikte können dadurch konstruktiv gelöst werden.


5.) Aktive Beziehungsgestaltung

Der Mensch ist ein soziales Wesen, das ist wissenschaftlich hinlänglich belegt. Wir brauchen die Menschen um uns, damit wir ein „Selbstbewusstsein“ im Kontrast zu anderen entwickeln und somit an den anderen wachsen können. Das aktive Gestalten und Pflegen sozialer Beziehungen ist also gut für unsere Psychohygiene und schafft Resilienz.


6.) Lösungsfokus

Wie ein Mensch an Probleme herangeht, hat Auswirkungen auf seine Resilienz. Resiliente Menschen neigen bei Problemen dazu, sie lösungsorientiert zu betrachten, anstatt vom Problem hypnotisiert zu werden und zu erstarren.


7.) Zukunftsorientierung

Heute und Morgen statt gestern – resiliente Menschen haben die Fähigkeit, das „Hier und Jetzt“ wahrzunehmen und zu nutzen sowie zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Natürlich ist die konstruktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wichtig, um beispielsweise Fehler nicht mehr zu wiederholen. Aber daran kleben sollte man auf keinen Fall bleiben.


Schön und gut, denken Sie jetzt vielleicht. Aber wie werde ich resilient(er)? Wie bei allem im Leben sind die Voraussetzungen nicht gleich verteilt. Die einen kommen als „Frohnaturen“ auf die Welt, die anderen eher als „Grübler“ oder „Schwarzseher“. Diverse Ereignisse im Laufe unseres Lebens nehmen dann noch weiteren Einfluss auf unsere Grundhaltungen. Die gute Nachricht aber ist: Resilienz lässt sich trainieren und steuern. Das kann man selber tun, in dem man entsprechende Bücher liest zum Beispiel. Oder aber man nimmt sich einen Coach oder eine(n) Lebensberater*in und macht das unter professioneller Führung.


Ressourcen erkennen und nutzen

Ressourcen sind Stärken. Die gilt es zu erkennen, um sie in belastenden Situationen abzurufen und zu nutzen.


Selbstfürsorge

Achten Sie auf sich selbst und nehmen Sie sich wichtig genug. Förderlich sind ein gesunder Lebensstil, Luft, Licht, Bewegung, aber ebenso Phasen der Entspannung, um Energie zu tanken und damit widerstandsfähig zu bleiben.


Realitätscheck

Gelegentlich denken wir Menschen uns in eine Krise hinein. Wenn Sie bemerken, dass Ihre Gedanken zu kreisen beginnen und Ihnen damit zu viel Energie kosten, machen Sie einen kurzen Realitätscheck und „entkatastrophisieren“ Sie. Was ist das Schlimmste, das z. B. im Hinblick auf Ihren eigenen Leistungsanspruch passieren kann? Und ist das tatsächlich realistisch?


Sozialkontakte pflegen

Umgeben Sie sich so viel wie möglich mit Menschen, die Ihnen guttun! Nicht in jeder Lebenssituation kann man sich seine Mitmenschen aussuchen, z.B. am Arbeitsplatz. Umso mehr sollte man in den übrigen Lebensbereichen genau darauf achten, mit wem man seine wertvolle Lebenszeit verbringt. Solche Menschen sind wie Generatoren, die unseren Batterien wieder aufladen, wodurch wir widerstandfähiger werden.


Entscheidungen treffen

Schieben Sie Entscheidungen nicht zu lange vor sich her, sondern gehen Sie diese aktiv an. Überlegen Sie eine angemessene Zeit, wägen Sie ab, analysieren Sie, verharren Sie aber nicht zu lange in diesem Schwebezustand. Damit stärken Sie wiederum Ihr Gefühl der Selbstwirksamkeit.

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